100 Jahre sozialer Wohnungsbau

Frühformen des modernen gemeinnützigen Wohnungsbaus entstehen im späten 19. Jahrhundert in Form von Genossenschaften. Zwischen 1890 und 1915 bauen Genossenschaften durchschnittlich 5.000 Wohnungen im Jahr. Ab 1918 übernehmen Wohnungsbaugesellschaften, gegründet von Staat, Kommunen und Gewerkschaften, diese Aufgabe. Durch die Anwendung von moderner Zeilenbauweise entstehen so bis 1932 2,5 Millionen bezahlbare Wohnungen.

Auch nach 1945 kümmert sich der Staat um Wohnraum. Im Rahmen des Wiederaufbauprogramms werden viele Wohnsiedlungen wieder aufgebaut oder neu angelegt. Der gemeinnützige Wohnungsbau ermöglicht erschwinglichen und bedarfsgerechten Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten. Ab den 1960er Jahren setzt der Bau von Großsiedlungen ein, gleichzeitig wird die freie Landschaft in Folge der Eigenheimförderung zersiedelt.

In den 1970ern kehrt der gemeinnützige Wohnungsbau wieder in die Innenstadt zurück. Behutsame Stadtsanierung und Neubau, wie im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA II) zwischen 1984 und 1987, sorgen für moderne, aber bezahlbare Wohnungen. Gleichzeitig setzt die staatliche Wohnungsbauförderung verstärkt auf Modelle der öffentlich-privaten Partnerschaft. Kurze Förderperioden und hohe Finanzierungskosten führen zu einer massiven Überschuldung der öffentlichen Haushalte. 1988 wird bundesweit der gemeinnützige Wohnungsbau abgeschafft. Die kommenden 25 Jahre sind vom Verkauf der Wohnungsbestände an Finanzinvestoren geprägt. Erst 2015 setzt in Berlin der soziale Wohnungsbau wieder ein.

 

Ralf Kühne

Bezirksverordneter

B’90/GRÜNE